1. Auflage 2025, 64 Seiten (PDF)

DOI 10.11586/2025019

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Die Studie bildet den dritten und letzten Teil der Veröffentlichungsreihe zum Thema „Spannungsfeld Vereinbarkeit: Onlinebefragung zur Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit im Paarkontext,“ in der die betrieblichen, familienpolitischen und paarinternen Rahmenbedingungen für ein besseres Gleichgewicht von Erwerbs- und Sorgearbeit zwischen Männern und Frauen untersucht wurden.

Für die Studie wurden über 2500 Personen zu ihren Elternzeitpräferenzen befragt. Die Ergebnisse zeigen eine klare Diskrepanz zwischen Vorstellung und gelebter Realität: 43,6 % der Befragten bevorzugen eine gleichmäßige Aufteilung der Elternzeit (je sieben Monate pro Elternteil). Diese Präferenz zeigt sich unabhängig vom Geschlecht der Befragten. Nur 38,7 % präferieren das traditionelle Modell (12 Monate Mutter, max. 2 Monate Vater), ein Viertel der Befragten spricht sich für die längere Elternzeit des Vaters aus. In der Praxis sehen wir eine stärkere Väterbeteiligung allerdings selten: Während Mütter im Durchschnitt 11,6 Monate Basiselterngeld beziehen, nehmen viele Väter weiterhin nur die zwei Partnermonate.

Ein weiterer zentraler Schwerpunkt der Studie liegt auf der Frage, welche konkreten Maßnahmen Eltern bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf unterstützen würden. Die Antworten spiegeln unterschiedliche Bedürfnisse durch die gelebte traditionelle Aufgabenteilung wider: Frauen wünschen sich häufiger Entlastung im Haushalt und bei der Kinderbetreuung, Männer hingegen mehr Flexibilität im Job. Der am häufigsten genannte Wunsch - sowohl von Männern als auch von Frauen - ist weniger Behördenkram und eine leichtere Antragstellung (44 Prozent).

Vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse lautet die Empfehlung, den Wunsch vieler Eltern nach einer gleichmäßigeren Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit und einer früheren Einbindung von Vätern aktiv zu unterstützen. Eine Reform der Elterngeldregelung – mit mehr Partnermonaten und einer höheren Lohnersatzrate – wäre hierfür ein entscheidender Hebel. Damit würden nicht nur Anreize für eine partnerschaftliche Aufteilung der frühen Betreuungsarbeit gesetzt, sondern die Erwerbsbiografien von Frauen stabilisiert und damit auch der Arbeitsmarkt langfristig gestärkt.